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Deutscher Medienpreis für Dr. Mitri Raheb

Laudatio von Herrn Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog

 

 

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Herzog,

 

Ihr Lebensmotto sei „Wahrheit und Klarheit“, so heißt es. Diesem Motto sind Sie in Ihrer Aufgabe als Bundespräsident gefolgt. Und Sie folgen ihm auch in Ihrer derzeitigen Position im Konvent für Deutschland, z. B. in einem im September 2011 veröffentlichten Statement zur „Euro-Krise“.

Wir, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Freiburg, würden uns wünschen, dass Sie diesem Motto auch in Sachen „Laudatio für Dr. Mitri Raheb“ folgen und bitten Sie, Ihre Bereitschaft, die Laudatio zu halten, noch einmal zu überdenken.

Denn wie andere vor uns bereits in öffentlichen Briefen an Sie aufgezeigt haben, gelten für Herrn Dr. Raheb leider nicht „Wahrheit und Klarheit“. Auch bietet er durch seine z. T. verzerrten, unwahren und rassistischen Äußerungen über Israel und Juden keine „Alternative zu Gewalt und Radikalisierung“, wie es auf der Internetseite des Deutschen Medienpreises heißt. Aus diesem Grund ist es uns unverständlich, dass Herr Dr. Rahab überhaupt für die Verleihung ausgewählt wurde. Wahrheit und Klarheit gehören unseres Erachtens zu den Grundlagen für Versöhnung und Frieden, auch im Nahen Osten.

 

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Herzog, in Ihrer Ansprache am 27. April 1995 in Bergen-Belsen, die auch in Ihrem Buch "Wahrheit und Klarheit. Reden zur deutschen Geschichte" zu finden ist, sagten Sie bezogen auf die nationalsozialistische Machtergreifung: „Die Geschichte des Versagens begann ja nicht erst nach der Machtergreifung von 1933. Sie begann schon lange vorher.“ Und Sie erklärten: „Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, müssen wir erkennen, dass die Gefahr des Totalitarismus immer noch im Präsens steht und nicht nur in Deutschland - sondern der ganzen Welt - und dass sie uns auch im Futur wieder begegnen kann. (…) Wir sind dankbar, dass wir noch einmal die Chance bekommen haben, zusammen mit unseren europäischen Nachbarn eine gemeinsame friedliche Zukunft zu gestalten. Deutschland wird alles daran setzen, dass es nationalistischer Engstirnigkeit, Überheblichkeit und Intoleranz nie mehr gelingt, den Frieden zu gefährden. Wo immer es sei.“

 

In diesem Sinne bitten wir Sie herzlich, Ihre Bereitschaft, die Laudatio für Herrn Dr. Raheb zu halten, noch einmal zu überdenken.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Freiburg

Freiburg, den 03.02.2012

 

 

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