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29.07.2020

Marcus Sheff: Schulbücher der Palästinensischen Autonomiebehörde „radikalisieren Kinder“

Marcus Sheff, CEO des Instituts zur Überwachung von Frieden und kultureller Toleranz in der Schulbildung (IMPACT-se), sprach am 15. Juni in einem Webinar des Middle East Forum (Video) über den Einsatz seiner Organisation zur Eliminierung der in den Lehrbüchern des Nahen Ostens vorherrschenden Radikalisierung und über die noch bestehenden Herausforderungen diesbezüglich.

von Marilyn Stern

IMPACT-se untersucht seit 20 Jahren Schulbücher in der Region Naher Osten und Nordafrika, weil sie die Möglichkeit haben, extremistische Einflüsse entweder abzuschwächen oder zu fördern. Gute Schulbücher können eine „mächtige Barriere gegen das Ausüben von Gewalt“ darstellen, während schlechte Schulbücher als „Blaupause für Radikalisierung“ dienen. IMPACT-se übt Druck auf die Regierungen im Nahen Osten und die internationale Gemeinschaft aus, um Veränderungen herbeizuführen.

Im Hinblick auf die Schulbuchlandschaft beschrieb Sheff die positiven Entwicklungen in weiten Teilen des Nahen Ostens. König Abdullah von Jordanien hat „den Weg für die Herausnahme anstössiger religiöser Texte geebnet.“ Tunesische Schulbücher lehren „über die Bedeutung von Verhandlungen, Frieden und Respekt für den anderen.“ König Mohammed VI. in Marokko ist derzeit dabei, ähnliche Änderungen vorzunehmen, allerdings wird die Beurteilung von IMPACT-se solange zurückgestellt, bis der neue Lehrplan online ist.

Auch Ägypten reformiert langsam die Schulbücher unter Präsident Abdel Fattah el-Sisi. Als grösstes arabisches Land „durchdringt das Gedankengut aus Ägypten die gesamte sunnitische Welt“, so Sheff. Während IMPACT-se den neuen ägyptischen Lehrplan noch überprüfen muss, finden sich bereits positive Veränderungen in den Geschichtslehrbüchern des Landes, die jetzt „einen herzlichen Frieden mit Israel“ anpreisen und betonen, dass es „im strategischen Interesse Ägyptens liegt, Frieden mit Israel zu haben.“

Saudi-Arabien ist noch in Arbeit. Obwohl seine Führer den Willen zur Veränderung haben und einige Verbesserungen vorgenommen wurden, gibt es viel verfestigten Extremismus und Antisemitismus, der beseitigt werden muss.

IMPACT-se überprüfte 2016 den türkischen Lehrplan und stellte fest, dass er „vom Osmanischen Reich geradezu besessen“ sei, aber andere Religionen und Völker mässig einbezieht. Obwohl hochgradig militaristisch und „zweifellos anti-israelisch“, war er nicht explizit antisemitisch. Seitdem führt jedoch Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Vorsitz über Änderungen in den Schulbüchern, die überarbeitet werden müssen. Vorläufige Informationen deuten darauf hin, dass „radikalere Ideen, extremere Ideen“ eingeführt worden sind.

Im Iran wird in den Schulbüchern „der totale Kampf bis zum Kommen des Mahdi (des endzeitlichen Erlösers des Islam), die Notwendigkeit des Dschihad und die Faszination für die arabische Hegemonie in der Region“ gepredigt. Syrien hat in Schulbüchern, die während des Bürgerkriegs geschrieben wurden, einen „seltsamen radikalen Baath-Ansatz.“

Die grösste Enttäuschung ist die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), die 2006 Lob für die Überarbeitung ihrer Schulbücher erhalten hatte. In den letzten Jahren wurde die Intoleranz jedoch mit grosser Vehemenz wieder eingeführt. In den Schulbüchern 2019-2020 der PA „wird Frieden [mit Israel] als nicht bevorzugt oder gar möglich dargestellt“, wie es früher der Fall war.

Israel erscheint auf keiner der abgebildeten Landkarten, und Antisemitismus ist überall verbreitet. Juden werden als „Feinde des Islam [dargestellt, die] versuchten, den Propheten zu töten“ und als „Lügner und Betrüger“, sagte Sheff.

Palästina vom Fluss bis zum Meer

Der neue radikalisierte Lehrplan vermittelt den Schülern das Gedankengut, ihr Leben als „Märtyrer“ (Schahids) zu opfern. Grundschüler lernen das Zählen, indem sie die Anzahl der „Märtyrer“ in jeder Intifada (Aufstand) aufzählen; das zweite Newtonsche Gesetz wird anhand einer Steinschleuder veranschaulicht. Der Lehrplan vermittelt, dass zweiundsiebzig jungfräuliche Bräute für diejenigen zur Verfügung stehen, die als „Märtyrer“ sterben, und ermutigt sogar Mädchen, „zu töten und getötet zu werden.“ Die Sprachbücher enthalten tägliche Gelübde, in denen aufgerufen wird „den Usurpator zu vernichten“ und „mein Blut zu opfern.“

Im Wesentlichen ist der Lehrplan der PA „ein strategisches Programm, um palästinensische Kinder an jedem einzelnen Schultag zu radikalisieren“ und die Vision „Palästina vom Fluss bis zum Meer“ zu fördern, so Sheff. Ironischerweise wird in den von den Europäern finanzierten Lehrbüchern der PA die Zwei-Staaten-Lösung mit keinem Wort erwähnt, während die Europäer Israel zu ebendieser drängen.

Im Gegensatz dazu konzentriert sich der israelische Bildungslehrplan auf den Frieden als Mittel zur Konfliktlösung, wobei Krieg die letzte Option ist. Vom Kindergarten bis zum Schulabschluss betrachten die israelischen Schulbücher die Palästinenser im Licht einer arabisch kulturellen und religiösen Sichtweise und versuchen, so Einblick in die nationalen Bestrebungen der Palästinenser zu geben.

Während Millionen junger Menschen im Nahen Osten noch immer jeden Tag beigebracht wird, Juden und Israel zu hassen, kämpft IMPACT-se dafür, dieser giftigen Indoktrination Einhalt zu gebieten. In Europa trug die Organisation im vergangenen Jahr dazu bei, den UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung (CERD) davon zu überzeugen, antisemitischen Hass in den Schulbüchern der PA zu verurteilen. Anfang dieses Jahres verabschiedete das Europäische Parlament auf Drängen von IMPACT-se ein Gesetz mit dem gleichen Ziel, und das norwegische Parlament wies seine Regierung an, die für die PA vorgesehenen Gelder einzufrieren, solange der palästinensische Lehrplan in der aktuellen Form unterrichtet wird.

Marilyn Stern ist Kommunikationskoordinatorin beim Middle East Forum. Übersetzung Audiatur-Online.

https://www.audiatur-online.ch/2020/07/28/marcus-sheff-schulbuecher-der-palaestinensischen-autonomiebehoerde-radikalisieren-kinder/